Angriff auf Amerika - Kommentare aus Aller Welt


"WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT TERRORISMUS?"

Michail Gorbatschow: "Auch die Araber wollen Frieden. Die Frage ist: Warum gibt es überhaupt Terrorismus? Wir müssen weiterhin ernsthafte Diskussionen führen, die Ursache des Problems angehen und gemeinsam Maßnahmen für die Zukunft beschließen. Wir müssen alle unsere Positionen überprüfen, vor allem hinsichtlich neuer Waffen, wobei ich 'Star Wars' meine. Tun wir wirklich alles, was getan werden sollte? Wir hätten das Problem schon vor langer Zeit anpacken sollen. In Afghanistan leben viele Menschen in bitterer Armut... Die Muslime können und müssen in Initiativen einbezogen werden."

(Quelle: Berlin Mitte, TV2)

Johannes Rau, deutscher Bundespräsident: "Die Mißachtung religiöser Gefühle und kultureller Traditionen nimmt Menschen Hoffnung und Würde. Das verführt manche zu Gewalt und Terror. Das sät den Haß schon in die Herzen von Kindern. Alle Menschen haben das Recht auf Anerkennung und Würde... Wer in Würde und Zuversicht lebt, aus dem wird kein Selbstmordattentäter werden... Der beste Schutz gegen Terror, Gewalt und Krieg ist eine gerechte internationale Ordnung."

(Quellen: Süddeutsche Zeitung, www.bundespraesident.de)

Dalai Lama: "... wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob eine Gewaltaktion der richtige Schritt ist und auf lange Sicht im größeren Interesse der Nationen und Menschen liegt. Ich glaube, daß Gewalt den Teufelskreis der Gewalt nur verstärken wird."

(Quelle: Canada Tibet Committee, www.tibet.ca)

Der chilenische Schriftsteller Ariel Dorfman sieht ein "vergleichbares Leiden, ... einen Widerhall dessen, was wir in Chile durchgemacht haben" bei dem Militärputsch vom 11. September 1973: "... auf dem Fernsehschirm habe ich in den vergangenen Wochen Hunderte von Angehörigen durch die Straßen von New York irren sehen; sie hielten Fotos ihrer Söhne, Väter, Frauen, Geliebten, Töchter umklammert, bettelten um Informationen, fragten, ob sie leben oder tot seien. Die Gesamtheit der Vereinigten Staaten wurde gezwungen, in die Hölle dessen zu blicken, was es bedeutet, ein desaparecido [eine vermißte, buchstäblich 'verschwundene' Person] zu sein, ohne Aussicht auf Gewißheit oder eine Beerdigung für jene geliebten vermißten Männer und Frauen...
Die Amerikaner haben die Chance, ihr Trauma und ihre Furcht zu überwinden und ihr Leben und Streben inmitten der Unsicherheit, die sie plötzlich verschlungen hat, fortzuführen, wenn sie erkennen, daß ihr Leiden weder einzigartig noch ausschließlich ist, daß sie - so weit sie gewillt sind, sich im großen Spiegel unserer gemeinsamen Menschheit zu betrachten - mit so vielen anderen Menschen verbunden sind, die in weit entfernten Regionen ähnliche Situationen unvorhersehbarer und oft langwieriger Ungerechtigkeit und Raserei durchgemacht haben...
Wir werden in den kommenden Jahren sehen, ob die neuen, durch Leiden geläuterten Amerikaner bereit, offen und gewillt sind, sich an dem mühsamen Prozeß zu beteiligen, unsere gemeinsame beschädigte Menschheit wiederherzustellen und zusammen eine Welt zu schaffen, in der wir nie wieder einen womöglich noch schrecklicheren 11. September zu beklagen haben."

(Quelle: The Independent, GB)

Tony Blair, britischer Premierminister: "... [wir brauchen] ein größeres Verständnis unter den Nationen und den Religionen; und vor allem Gerechtigkeit und Wohlstand für die Armen und Entrechteten, so daß die Menschen überall auf der Welt sehen können, daß sie durch die harte Arbeit und die schöpferische Kraft freier Bürger die Aussicht auf eine bessere Zukunft haben, statt Gewalt und Barbarei von Fanatikern...
Aber welches ist die Lektion der Finanzmärkte, der Klimaveränderung, des internationalen Terrorismus, der nuklearen Ausbreitung oder des Welthandels? Es ist die Lektion, daß unser Eigeninteresse und unsere gegenseitigen Interessen unentwirrbar ineinander verwoben sind...
Die Hungernden, die Elenden, die Entrechteten, die Unwissenden, diejenigen, die von den Wüsten Nordafrikas über die Slums von Gaza bis zu den Bergen Afghanistans in Entbehrung und Verwahrlosung leben: Sie sind unser Aufgabe...
Heute besitzt die Menschheit die Wissenschaft und die Technologie, sich entweder zu zerstören oder Wohlstand für alle zu schaffen. Aber die Wissenschaft kann diese Entscheidung nicht für uns treffen. Das kann nur die moralische Kraft einer gemeinschaftlich handelnden Welt."

(Quelle: BBCOnline)

Arundhati Roy, Autorin: "... es ist sinnvoll, sich zu fragen, warum die Symbole der wirtschaftlichen und militärischen Dominanz Amerikas - das World Trade Center und der Pentagon - als Ziel der Attacken gewählt wurden. Warum nicht die Freiheitsstatue? Könnte es sein, daß die ungeheure Wut, die zu den Attacken führte, ihre Hauptursache nicht in der amerikanischen Freiheit und Demokratie hat, sondern in dem Engagement und dem tatkräftigen Einsatz der amerikanischen Regierung für genau die entgegengesetzten Dinge - für militärischen und wirtschaftlichen Terrorismus, Aufstand, Militärdiktatur, religiösen Fanatismus und unvorstellbaren Völkermord (außerhalb Amerikas)? Es muß hart sein für gewöhnliche Amerikaner, wenn sie jetzt in ihrer Trauer und unter Tränen auf die Welt blicken und auf scheinbare Gleichgültigkeit treffen. Es ist nicht Gleichgültigkeit. Es ist die Vorahnung. Die fehlende Überraschung. Die ach so alte Weisheit, zu wissen, daß jede Tat schließlich auf den Urheber zurückfällt. Das amerikanische Volk sollte wissen, daß der Haß nicht ihm, sondern der amerikanischen Politik gilt."

(Quelle: The Guardian, GB)

Robin Therukauf, deren Ehemann Tom im World Trade Center starb. "Zu allererst sollten die Verbrecher gejagt und festgenommen werden, mit dem Ziel, Gerechtigkeit, nicht Rache zu üben...
Die amerikanischen Bürger können Angst und Haß bekämpfen, indem sie den Muslimen in ihren Gemeinden die Hand reichen und arabische Geschäfte schützen. Dieses Zeichen der Solidarität wird zum Teil das Ziel dieser Verbrecher, die amerikanische Gemeinschaft zu spalten, durchkreuzen.
Auf lange Sicht wird die Ausrottung des Terrorismus nicht die Eliminierung einiger Leute, sondern einer Reihe von Ideen notwendig machen. Terroristische Impulse gären in Kulturen, in denen Armut, Unterdrückung und Unwissenheit herrschen. Die Eliminierung dieser Bedingungen und die aktive Förderung eines universellen Respekts für die Menschenrechte muß Priorität in der nationalen Sicherheit haben.
Schließlich muß es ein politisches Anliegen der Vereinigten Staaten sein, ihre Verletzlichkeit zu erkennen und zu akzeptieren. In unserer heutigen übermilitarisierten Umwelt kann kein Staat die Sicherheit innerhalb seiner Grenzen ohne die Mitarbeit anderer sicherstellen... Heute Afghanistan zu bombardieren, wird die Tragödie von morgen nicht verhindern. Wir müssen zugunsten langfristiger Lösungen andere als militärische Entscheidungen finden."

(Quelle: The Spectator, GB)