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Wasserstiftung zeichnet Helfer aus
Auszüge
aus der Laudatio von Prof. Göttle
Im Jahr 2000
gründete Ernst Frost die WasserStiftung, um Wissen und Technologien
für eine nachhaltige Nutzung zu verbreiten und gemeinsam mit Entwicklungsländern
Projekte für eine zuverlässige Wasserversorgung und sauberes
Trinkwasser zu entwickeln.
Der Erfinder und Lehrer Wolfgang Buchner wurde vor kurzem für sein
herausragendes, langjähriges Engagement für den Aufbau von Wasserversorgungs-systemen
im ländlichen Lateinamerika mit dem Internationalen Hundertwasser-Preis
geehrt.
Es folgt hier die gekürzte Laudatio des Präsidenten des Bayerischen
Amtes für Wasserwirtschaft Prof. Elmar Göttle zur Preisverleihung
an Wolfgang Buchner im Juli 2001 in München.
Heute, am Beginn des dritten Jahrtausends unserer Zeitrechnung,
sind rund 1,3 Milliarden Menschen auf der Erde unzureichend mit Trinkwasser
versorgt. Im Jahr 2050, wenn die Erdbevölkerung von sechs Milliarden
derzeit auf rund elf Milliarden angestiegen ist, werden es rund vier Milliarden
Menschen sein, denen es am wichtigsten Lebensmittel, an sauberem Trinkwasser,
fehlt.
Voranschreitende Industrialisierung, Intensivierung der Landwirtschaft,
Landflucht und Verstädterung, die Verschmutzung von Flüssen,
Seen und des Grundwassers lassen eine drastische Verschärfung der
Wasserversorgungsproblematik in allen Erdteilen, insbesondere in den Entwicklungsländern,
erwarten.
Regionale Konflikte um das "Gold von Morgen" kennen wir aus
dem Nahen Osten; sie drohen in allernächster Zeit in Nord- und Südafrika,
in Zentral- und Südasien und in Mittel- und Südamerika, wo ein
drastischer Bevölkerungszuwachs, der Aufschwung von Industrie und
Verkehr, der Raubbau an der Natur und ihren Rohstoffen die natürlichen
Lebensgrundlagen und hier insbesondere die Wasservorkommen in zunehmendem
Maße gefährden. Verheerende Naturkatastrophen wie Überschwemmungen,
Dürren, Erdrutsche und der Ausbruch von Seuchen sind drohende Anzeichen
einer dramatischen Entwicklungsspirale, die im Zeichen klimatischer Änderungen
sich immer schneller und steiler zu drehen droht.
Ein Gebiet, wo diese Problematik und insbesondere die Wassernot sich heute
schon in drastischer Form zeigt, ist Lateinamerika und hier wiederum Bolivien.
Die mangelnde und schlechte Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist hier
eine der Hauptursachen chronischer Krankheiten und einer hohen Kindersterblichkeit.
Selbst wenn es in manchen Gegenden genügend Wasser gäbe, so
ist dieses oft verschmutzt und belastet und so nicht für Trinkwassernutzung
geeignet. Viele Menschen auf dem Lande müssen ihr Trinkwasser aus
Flüssen, Bächen, Gräben und Weihern schöpfen, die
vom Regen gespeist werden und gleichzeitig als Tränke für Tiere,
als Waschplatz und als Abfallplatz dienen, sich versorgen. Die tropischen
Temperaturen verwandeln dieses Szenario schnell in gefährliche Bakterienherde,
und es ist kein Zufall, daß die Cholera Anfang der neunziger Jahre
zuerst wieder in Südamerika ausbrach und bis heute immer wieder Todesfälle
zu beklagen sind.
Die Erkenntnis, daß nur eine ausreichende Versorgung der Landbevölkerung
mit sauberem Trinkwasser diesen Teufelskreis durchbrechen kann, ist trivial,
und trotzdem ist man staatlicherseits noch weit von ihrer Umsetzung in
maßgeblichem Umfang entfernt. Aber es gibt Hoffnung.
Bolivien ist ein Land, wo die geschilderten Defizite besonders drastisch
sind. Bolivien ist auch das Land, wo vor über zwanzig Jahren ein
mutiger, junger Wassermeister aus München namens Wolfgang Buchner
voller neuer Ideen angetreten ist, den Menschen bei ihren Trinkwasserproblemen
zu helfen.
Er hat in den zwanzig Jahren seiner Tätigkeit dort 10 000 "Buchner-Brunnen",
die heute schätzungsweise 200 000 Menschen mit sauberem Trinkwasser
versorgen, geschaffen.
Dank einfachster, den lokalen Verhältnissen angepaßter Technik,
ist ein "Buchner-Brunnen" mit sechs Dollar pro Bohrmeter und
Pumpe für die meisten Menschen in der Dritten Welt erschwinglich
und damit tatsächlich eine Lösung, die umgesetzt werden kann.
Darüber hinaus bildet Wolfgang Buchner in San Julian und Puerto Pérez
in seinen staatlich anerkannten Brunnenbauerschulen EMAS seit 1993 junge
Menschen, vor allem auch Familienväter zu Brunnenbauern und Wasserversorgern
aus. Dort wird vermittelt, wie man in unterschiedlichen Böden Brunnen
bohrt, mit einfachster Technik Handpumpen und Wasserbehälter herstellt,
oder eine Trockentoilette baut, um so das Grundwasser vor gefährlichen
Verunreinigungen durch Fäkalien zu schützen.
Wolfgang Buchner ist es gelungen, im Schneeballsystem Brunnenbauer und
Brunnenbauausbilder zu schulen. Die von ihm bis zur Meisterprüfung
qualifizierten Einheimischen sind heute als selbständige Kleinunternehmer
in ihrer Region tätig und in der Lage, die notwendige lokale Initiative
zur Verbesserung der Gesundheits- und der Lebensverhältnisse zu leisten.
Buchner sagt, daß seine Ideen so einfach sind, daß jeder sie
nachmachen kann.
(Quellen: WasserStiftung, www.wasserstiftung.de)
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WHO verlangt eine neue Einstellung gegenüber psychischen Erkrankungen
Kürzlich gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
erstaunliche Fakten bekannt. Laut ihrer Pressemeldung zum Weltgesundheitsbericht
kommt es bei jedem vierten Menschen irgendwann im Leben zu neurologischen
oder psychischen Störungen. Hierunter leiden zur Zeit weltweit 450
Millionen Menschen. Damit sind psychische Störungen eine der Hauptursachen
für schlechte Gesundheit und Arbeitsunfähigkeit.
Obwohl es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten gibt, suchen zwei
Drittel aller Patienten mit einer festgestellten psychischen Störung
niemals professionelle Hilfe. Offensichtlich fürchten, sie als geistes-
oder gemütskrank stigmatisiert zu werden und damit diskriminiert
und ausgegrenzt zu sein.
In dem UN-Bericht mit dem Titel "Neues Verständnis, neue Hoffnung"
ermutigt die WHO die Regierungen, nach erschwinglichen Lösungen zu
suchen, um den Teufelskreis von Diskriminierung oder Nichtbehandlung zu
unterbrechen. Die Verfasser des Berichts empfehlen eine Dezentralisierung:
Große Betreuungseinrichtungen sollten verkleinert werden zugunsten
kommunaler Gesundheitszentren. In diese müßte auch die ärztliche
Behandlung psychischer Erkrankungen integriert werden.
Ein Viertel der weltweiten Krankheitskosten werden durch depressive Störungen
verursacht. Bis 2020 wird ein Anstieg dieser Krankheiten auf Platz zwei
der Liste erwartet. In rund 25 Prozent aller Länder gibt es keine
gesetzlichen Regelungen für den Umgang mit psychischen Erkrankungen,
und mehr als 33 Prozent der Länder geben weniger als ein Prozent
ihres Haushaltsbudgets für die Betreuung dieser Kranken aus. Arme
sind bei schlechter psychischer Gesundheit besonders belastet, da es an
Behandlung mangelt und sie ständig Situationen ausgesetzt sind, die
sie überfordern und oft auch gefährlich für sie sind -
dabei sind unangemessene Unterkunft, Unterernährung und Ausbeutung
nur einige der Fakten, die sie noch anfälliger machen.
Dr. Gro Harlem Brundtland, die Generalbevollmächtigte der WHO, sagte
dazu: "Ich hoffe, daß dieser Bericht langgehegte Vorurteile
und verfestigte Meinungen beseitigt und dies der Beginn einer neuen Ära
ist, was die medizinische Betreuung bei psychischen Krankheiten betrifft."
Quelle: WHO-Pressebericht)
Hoffnungslosigkeit in afghanischen Lagern
Humanitäre Organisationen und ihre Helfer in Afghanistan
arbeiten an vielen Stellen im Wettlauf gegen die Zeit. So ist es beispielsweise
ihre Aufgabe, am Rande der Stadt Herat über 6000 Hütten aus
Lehmziegeln zu bauen, die als Unterkünfte dienen sollen. Dies muß
schnell geschehen, bevor der Winter kommt. Auch können sich der Mord
an Achmed Schah Massud, dem Leiter der Anti-Taliban-Allianz, und die Anschläge
in Amerika weiter negativ auswirken. Es bleibt ihnen wenig Zeit bis zum
Winteranfang, denn die vorhandenen Hütten müssen repariert werden.
Außerdem kommen täglich ungefähr 300 Menschen an, das
sind 8500 pro Monat. Die Region ist durch eine dreijährige Dürrezeit
verwüstet, und vielen Menschen geht es gesundheitlich schlecht. Sechs
Millionen Menschen leiden unter den Folgen von schwerem Nahrungsmangel.
Zwar sind in den Lagern Wasser, sanitäre Einrichtungen und Gesundheitsdienste
vorhanden, aber diese entsprechen keinesfalls dem Bedarf in einer sich
konstant verschlechternden Situation. Im Jahre 2000 herrschten ungewöhnlich
niedrige Temperaturen (ungefähr minus 25 Grad Celsius); es starben
150 Menschen pro Woche, weil sie in schlechter gesundheitlicher Verfassung
waren.
Geldmittel sind äußerst knapp: Die Spendenaufrufe der WHO für
Gesundheitsmaßnahmen in Afghanistan brachten 2001 so wenig Geld,
daß neunzig Prozent der Vorhaben nicht durchgeführt werden
konnten. Die Situation ist ernst und verschlimmert sich, da viele Lager
bereits voll sind. Neue Ankömmlinge müssen zu anderen Standorten
weitergeschickt werden. Diese Lager sind häufig aber erst noch im
Aufbau.
Die WHO, das Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen
arbeiten rund um die Uhr und versuchen, die Lager so gut wie möglich
bewohnbar zu machen, um die wachsende Anzahl von hungernden und verängstigten
Menschen unterbringen zu können.
(Quellen: WHO, UNHCR)
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