Vertrauen tut not
von Meister —, durch Benjamin Creme


Die Menschen werden die heutige schwierige Periode im Rückblick einmal als eine Zeit beschreiben, in der sie in einem Chaos von falschen Werten den Sinn des Lebens wieder entdeckt haben. Jahrtausendelang haben die Menschen nur nach Reichtum und Macht, Ansehen und Ruhm getrachtet. Die subtileren Künste geistiger Erkenntnis und Weisheit haben nur sehr wenige angesprochen, so daß die Menschen fast zwangsläufig den stürmischen Weg der Zwietracht, Ignoranz und Angst verfolgt haben.
Nun wird ihnen im Licht einer neuen Erkenntnis endlich bewußt, welch herrliche Zukunft sie als Mitarbeiter und Mitschöpfer Gottes vor sich haben. Auf dem Weg dorthin stehen ihnen zwar noch zahlreiche Prüfungen bevor, aber sie sind wie nie zuvor jetzt willens und darauf vorbereitet, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Wider Erwarten und allem Anschein entgegen ist die Menschheit bereits im Begriff, sich aus einem düsteren Kokon, aus ihrer Ohnmacht und Angst zu befreien. Mit zunehmender Kühnheit und Gewißheit machen sich die Menschen auf den Weg zu Einheit und Gerechtigkeit, zu Zusammenarbeit und Teilen, zu Einfachheit und Vertrauen.
Daß dieses Vertrauen notwendig ist, wird niemand bestreiten. Wenn keine Vertrauensbasis entsteht, wird man nichts erreichen können. Mangel an Vertrauen hat bis heute die höchsten menschlichen Bestrebungen vereitelt, die Nationen entzweit und die Zukunft der Menschheit aufs Spiel gesetzt.
Vertrauen, das Spiegelbild der Liebe, entsteht spontan immer dann, wenn die Angst verschwindet. Nur Vertrauen kann Wunder in der Zusammenarbeit bewirken und zu Taten führen, die sonst unmöglich sind.
So sieht es in der Welt heute aus. Unter dem Einfluß und der Inspiration des Christus beginnen die Regierungen, einander allmählich zu vertrauen.
Vieles bleibt noch zu tun, doch die Zeichen sind bereits für jeden sichtbar. Ein neues Kapitel der langen Geschichte des Menschen hat begonnen, das seinen künftigen Ruhm besiegeln wird.
Das wachsende Gefühl gegenseitiger Abhängigkeit beweist, daß der Mensch seinen Weg noch nicht verloren hat, daß er am Rande des Abgrunds eine Kehrtwendung gemacht hat und jetzt auf eine Zeit der Zusammenarbeit und des Realismus zugeht.
Im persönlichen Bereich ist Vertrauen von größter Bedeutung. Nichts verdirbt die mitmenschlichen Beziehungen so sehr wie der Verlust dieses kostbaren Juwels. Auch wenn Vertrauen gebrochen oder verraten wird – Vertrauen schafft immer wieder Vertrauen und läßt den sanften Strom der Liebe wieder fließen.
Nur wenige können sich heute eine Welt vorstellen, in der wirklich Vertrauen herrscht. Wenige nur können sich die Ruhe und die Schönheit einer solchen Zeit ausmalen.
Laßt eure Phantasie eine Welt beschwören, in der es weder Angst noch Verbrechen, weder Wettstreit noch Habsucht gibt. Öffnet euch der Idee der universalen Gerechtigkeit, des Friedens und des Glücks für alle.
Dann werdet ihr einen Blick in eine Welt erhaschen, wo das ungebrochene, kindliche Vertrauen wieder aufblüht, weil der Mensch keine Angst mehr hat. In einer solchen Welt wird alles möglich. Der Mensch steht jetzt an der Schwelle dieser Entdeckung.

März 1989



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