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Noam Chomsky ist Professor Emeritus am Massachusetts Institute of Technology
in Cambridge, Massachusetts, wo er Linguistik und Philosophie lehrt. Er
gilt als Revolutionär der modernen Linguistik und erhielt unter anderem
den angesehenen Wissenschaftspreis der American Psychological Association
und die Benjamin-Franklin-Medaille für Computer- and Kognitionswissenschaften.
Der ebenfalls für Politik und Außenpolitik international anerkannte
Fachgelehrte hat viele politische Bestseller geschrieben, auf Deutsch
erschienen unter anderem Hybris. Die endgültige Sicherung der globalen
Vormachtstellung der USA (2003), Der gescheiterte Staat (2006) und Interventionen
(2007). Jason Francis hat Noam Chomsky für Share International interviewt.
Teil eins des Interviews von Jason Francis mit Noam Chomsky ist in der
Share-International-Ausgabe vom Oktober 2008 erschienen.
Religiöser
Fundamentalismus
Share International: Welche Auswirkung hat der religiöse Fundamentalismus
weltweit auf die Demokratie?
Noam Chomsky: Solange ein religiöser Fundamentalismus eine persönliche
Angelegenheit ist oder auf eine Gemeinschaft beschränkt bleibt, hat
er keine Auswirkungen auf die Demokratie. Wenn er aber in das politische
System, die öffentliche Arena vordringt, hat er sehr erhebliche und
natürlich negative Auswirkungen auf eine Demokratie, weil seine Prinzipien
mit dieser gänzlich unvereinbar sind. Diese Entwicklung können
wir gerade überall auf der Welt beobachten. In den Vereinigten Staaten
ist das zurzeit geradezu dramatisch. Was extremistische religiöse
Überzeugungen angeht, lagen die Vereinigten Staaten schon immer an
der Spitze. Darin unterscheiden sie sich radikal von anderen Industriegesellschaften.
In keiner anderen Industriegesellschaft gibt es so viele Menschen
ungefähr 50 Prozent , die glauben, dass die Welt vor einigen
1000 Jahren genau so erschaffen wurde, wie sie heute ist. Ähnliches
gilt auch für andere extremistische Überzeugungen.
In Phasen religiöser Erweckungsbewegungen ist der religiöse
Fundamentalismus gelegentlich in die öffentliche Arena und das politische
Leben vorgedrungen, was sich beispielsweise in den 1950-er Jahren auf
die Politik auch ausgewirkt hat. Aber so etwas wie in den etwa letzten
30 Jahren gab es noch nie. Ende der 1970-er Jahre hatten Parteistrategen
erkannt, dass sie Wählerstimmen hinzugewinnen konnten, wenn sie den
sehr beträchtlichen fundamentalistischen Glaubensgemeinschaften
etwas anzubieten hätten, kleine Zugeständnisse, die die Politiker
nicht weiter tangierten. Seit der Wahl im Jahr 1980 muss jeder Präsidentschaftskandidat
zeigen, dass er tief religiös ist. Zuvor war das kein echtes Thema,
aber seit der Wahl im Jahr 1980 ist das unverändert so.
In anderen Teilen der Welt ist es der islamische Fundamentalismus, der
dem Westen die größten Sorgen bereitet. Der Staat mit dem extremsten
islamischen Fundamentalismus war und ist bis heute Saudi-Arabien
der zugleich der engste Verbündete der USA ist, zum Teil auch aufgrund
seines Fundamentalismus. In den fünfziger und sechziger Jahren bekämpften
sich der säkulare arabische Nationalismus und der extremistische
islamische Fundamentalismus. Die beiden Hauptfiguren dieses Kampfs waren
der ägyptische Präsident Nasser und der saudi-arabische König.
Die USA standen dem säkularen Nationalismus in Ägypten, im Irak
und anderswoher äußerst ablehnend gegenüber und favorisierten
den islamischen Fundamentalismus.
Dieser Konflikt fand dann im Wesentlichen mit den israelischen Eroberungen
im Jahre 1967 ein Ende, die das Nassersche Zentrum des säkularem
Nationalismus und eine der Säulen der Dritte-Welt-Bewegung
die Bewegung der blockfreien Staaten, die ebenfalls von den USA verachtet
wurde, ziemlich zerstörten. Damals entstand die enge Beziehung
zwischen den USA und Israel. Es entwickelte sich eine Art Liebesbeziehung
zwischen US-Intellektuellen und Israel, die was neu war
den Machtinteressen der USA diente und den islamischen Fundamentalismus
gegen den gefährlichen säkularen Nationalismus unterstützte.
Dasselbe geschah auch in den von Israel besetzten Gebieten: Israel unterstützte
die fundamentalistischen Gruppen, aus denen sich schließlich die
Hamas formierte, als Waffe gegen die säkular-nationalistische PLO
[Palästinesische Befreiungsorganisation].
Das geschah auch anderswo. Es ist bekannt, dass US-Präsident Reagan
die extremsten islamischen Fundamentalisten, die er weltweit auftreiben
konnte, unterstützt hat, um die Russen in Afghanistan auszubluten.
Zur gleichen Zeit, in den achtziger Jahren, unterstützten die USA
massiv den pakistanischen Diktator Zia ul-Haq, der das Land radikal islamisierte
und mit saudi-arabischen Geldern die berühmten islamistischen Madrasas
gründete, die für die fundamentalistische Entwicklung des Landes
entscheidend waren. Obendrein setzte sich die Reagan-Regierung über
den Kongress hinweg, der eine Drosselung der Pakistanhilfe aufgrund des
pakistanischen Atomwaffenprogramms beschlossen hatte, von dem sie angeblich
nichts wusste. Inzwischen hat der radikale Islamismus bekanntermaßen
beunruhigende und gefährliche Formen angenommen.
Das trifft auch auf den hinduistischen Nationalismus zu. Den fundamentalistischen
Nationalismus vertritt vor allem die BJP [Bharatiya Janata Party], eine
der größten Parteien Indiens, die einen gefährlichen und
extremen hinduistischen Nationalismus propagiert. In Gujarat hat Narendra
Modi die letzte Wahl gewonnen die Hauptfigur dieser Bewegung ,
der weitgehend für die Massaker dort vor einigen Jahren verantwortlich
war, bei denen mehrere Tausend Muslime umgebracht wurden. Diese Entwicklungen
sind nicht unbedeutend, und sie stellen nicht nur eine Bedrohung für
die Demokratie dar, sondern auch für jede ernst zu nehmende Vorstellung
von Menschenrechten.
Demokratiebewegungen in Südamerika
SI: Welche Auswirkungen haben die sozialistischen Regierungen Chávez
in Venezuela, Morales in Bolivien, Kirchner in Argentinien, Correa in
Ecuador und Lula in Brasilien auf die regionale Integration, die sozioökonomische
Souveränität und die Demokratie in Südamerika?
NC: Beginnen wir mit der Demokratie, das lässt sich am leichtesten
ermitteln. In ganz Lateinamerika werden von dem hoch angesehenen chilenischen
Umfrageinstitut Latinbarometro regelmäßig sorgfältige
Befragungen durchgeführt, um die Einstellung der einzelnen Bevölkerungen
zur Demokratie zu untersuchen. Sehr zum Unbehagen der Vereinigten Staaten
rangiert Venezuela dabei in vielen Punkten an der Spitze. Was die Unterstützung
der Demokratie und der Regierung betrifft, nimmt es zusammen mit Uruguay
eine Vorrangstellung ein. Was die Bewertung der Regierung hinsichtlich
der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts und sonstiger Maßnahmen
angeht, steht es sogar an erster Stelle. Diese Ergebnisse sind für
die Vereinigten Staaten derart inakzeptabel, dass hier darüber einfach
nicht berichtet wird, aber man kann sich ja jedes Jahr bei Latinbarometro
selbst informieren. Die letzte Umfrage fand im November 2007 statt.
Die Venezuelaner haben große Fortschritte in der Demokratie gemacht,
worauf sie stolz sind und weshalb sie ihre Regierung auch unterstützen.
Aber das ist natürlich die Meinung der Venezuelaner und nicht der
[Nord-] Amerikaner. Das trifft auch auf Bolivien zu. Die Wahl von Morales
war für die Demokratie ein wirklich spektakulärer Sieg. Was
hier geschieht, ist weltweit beispiellos. In Bolivien betrat die große
Mehrzahl der Bürger, die indianische Urbevölkerung, zum ersten
Mal seit der spanischen Eroberung in ernstzunehmender Weise die politische
Arena, erlangte die politische Macht und wählte jemanden aus ihren
eigenen Reihen trotz erheblicher Widerstände. Können
Sie sich so etwas in den USA oder einem anderen westlichen Land vorstellen?
Die Menschen sind nicht bloß zur Wahl gegangen. Das waren Volksbewegungen,
die für grundsätzliche Dinge kämpften wie kulturelle Rechte,
Kontrolle über Ressourcen, Abschaffung der neoliberalen Politik,
die das Volk zugrunde richtete zentrale Anliegen, für die
sie schon jahrelang gekämpft hatten. Sie haben sich organisiert und
ordnungsgemäß ihren Kandidaten gewählt. Das ist Demokratie.
Die Wahl in Bolivien im Dezember 2005 ist der weitaus bemerkenswerteste
demokratische Wandel in der südlichen Hemisphäre. Morales wurde
bei uns sofort zum Autokraten und Befürworter der Diktatur erklärt.
Der Hauptgrund dafür war, dass er die Verstaatlichung der Ressourcen
seines Landes forderte. Seine Kritiker unterließen es aber, zu erwähnen,
dass er dafür die Zustimmung von 90 Prozent der Bevölkerung
hatte. Aber nach unseren Maßstäben ist das schrecklich autokratisch
und undemokratisch. Das entspricht nicht unseren Regeln, nicht dem, was
wir unter Demokratie verstehen.
Bei Nestor Kirchner lief es etwas anders ab. Argentinien war das Vorzeigekind
des Internationalen Währungsfonds [IWF], ihr großes Wirtschaftswunder
das allerdings in der totalen Katastrophe endete und Argentiniens
Wirtschaft ruiniert hatte. Kirchner rettete Argentinien, indem er die
IWF-Vorschriften radikal missachtete und sich dann vornahm, den
IWF für immer los zu werden. Der IWF ist eigentlich eine Zweigstelle
des US-Finanzministeriums. Argentinien nahm eine Umstrukturierung vor
und zahlte mit der Unterstützung Venezuelas seine Schulden zurück.
Das Land erholte sich zur großen Überraschung der konventionellen
Ökonomen sehr schnell, die ihm hinsichtlich dieses Vorgehens ein
Desaster prophezeit hatten. Andere Länder der Region schlagen den
gleichen Weg ein. Brasilien zahlte seine Schulden auf seine Weise zurück
und befreite sich vom IWF. Bolivien bewegt sich in diese Richtung ebenso
wie Venezuela und weitere Länder. Tatsache ist, dass der IWF sich
inzwischen in ernsthaften Schwierigkeiten befindet, weil die Länder,
auf die er für seine Finanzierung, hauptsächlich durch Schuldeneintreibung,
angewiesen ist, sich weigern, seinen Anordnungen Folge zu leisten, und
ihre Schulden zurückzahlen oder umschichten.
Alle diese Anstrengungen sind Schritte in Richtung Integration. Die Vereinigten
Staaten haben heute die Position eingenommen, dass sie südamerikanische
Regierungen unterstützen, die sie noch vor wenigen Jahren durch einen
Militärputsch beseitigt hätten. Also ist Lula in Brasilien jetzt
ihr Liebling. Seine Politik unterscheidet sich nicht sehr
von der Goularts [ehemaliger brasilianischer Präsident] Anfang der
1960-er Jahre. Goulart wurde einige Wochen nach der Ermordung Kennedys
durch einen Militärputsch gestürzt, den die Kennedy-Administration
eingefädelt hatte, die dann einen neonaziartigen Polizeistaat aus
brutalen Mördern einrichtete eine Plage, die sich über
die gesamte Hemisphäre ausbreitete.
Die Vereinigten Staaten unterstützen Lula als ihren Hoffnungsträger,
um die Fiktion aufrecht zu erhalten, dass es eine Spaltung zwischen einer
guten Linken, Lula, und einer schlechten Linken,
Chávez und Morales, gäbe. Es ist auch etwas Wahres daran,
sie sind unterschiedlich. Um aber diese Fiktion aufrechterhalten zu können,
müssen eine ganze Reihe von Informationen unterdrückt werden.
So muss zum Beispiel verschwiegen werden, dass Lulas erste wichtige Amtshandlung
nach seiner Wiederwahl darin bestand, nach Caracas zu reisen, Chávez
beim Wahlkampf zu unterstützen und eine wichtige Brücke über
den Orinoco, ein brasilianisch-venezuelanisches Projekt, einzuweihen und
ein weiteres Brückenprojekt in die Wege zu leiten. Ebenso muss verschwiegen
werden, dass sich kurz darauf die südamerikanischen Staatschefs im
bolivianischen Cochabamba trafen, dem Zentrum der demokratischen Revolution
in Bolivien. Dabei überspielten sie anscheinend ihre Differenzen
und gaben eine Erklärung heraus, in der sie die Integration Lateinamerikas
nach Art der Europäischen Union forderten. Sie erkannten durchaus,
dass der Weg dorthin noch weit ist, aber es sind erste Schritte in diese
Richtung. Darüber ist hier nichts in der Presse zu lesen es
ist aber sehr wichtig. Gerade wurde die Bank des Südens (Banco del
Sur) eröffnet, an der sich die großen Länder Brasilien,
Venezuela, Argentinien und andere gemeinsam beteiligen und deren Schwerpunkt
die Entwicklungsprobleme Südamerikas sein werden. Daraus könnte
ein unabhängiges Finanzinstitut werden, unabhängig von der Weltbank.
Südamerika unternimmt zum ersten Mal seit der spanischen Eroberung
zwei bedeutsame, miteinander zusammenhängende Schritte. Der eine
besteht darin, dass sich die Länder in Richtung Integration bewegen.
Bisher lebten sie isoliert neben einander her: Jeder Staat unterhielt
auf seine Weise und unabhängig von den anderen Beziehungen zu den
Imperialmächten. Das wird jetzt überwunden. Das ist eine Voraussetzung
für die Unabhängigkeit. Wenn sich die Länder nicht vereinen,
sind sie einer Imperialmacht gegenüber wehrlos.
Zudem wird erstmals der Versuch unternommen, die schwerwiegenden sozialen
Ungleichheiten in den Ländern zu überwinden. In Südamerika
herrscht noch die schlimmste Ungleichheit weltweit. Bisher wurde es immer
von einer kleinen europäisierten, größtenteils weißen
Elite regiert, die aufgrund ihres sehr großen Vermögens enge
Verbindungen mit dem Westen hat: Sie bringt ihr Kapital in die reichen
Länder, sie besitzt Zweitwohnungen dort und ihre Kinder studieren
dort. Sie führt ein von der übrigen Gesellschaft völlig
abgetrenntes Leben. Es gibt also eine reiche, herrschende, meist weiße
Elite und eine riesige Masse äußerst armer Menschen. Diese
Kluft will man nun überwinden.
Bolivien ist hierfür ein bemerkenswertes Beispiel. Auch in Venezuela
zeigen sich Ansätze. Einer der Gründe für den erbitterten
Hass der Elite des Landes auf Chávez ist der, dass er kein Weißer
ist er ist Mischling. Rassendiskriminierung ist in Venezuela noch
ein großes Problem, aber man wird es bewältigen. Es gibt allerdings
auch viele Fallstricke. Wie diese Entwicklungen ablaufen werden, lässt
sich nicht voraussagen, sie sind aber insgesamt sehr positiv.
Lateinamerika diversifiziert jetzt seine wirtschaftlichen Beziehungen.
Bisher war es von den amerikanischen und europäischen Investitionen,
vom Handel mit den USA und Europa völlig abhängig, doch das
ändert sich gerade. Es entwickeln sich Süd-Süd-Beziehungen
zwischen Indien, Südafrika und Brasilien. Die südamerikanischen
rohstoffexportierenden Länder Peru, Brasilien, Chile und Venezuela
fangen an, ihre Exporte nach Asien auszudehnen. Auch China fängt
an, zu investieren. Durch all das hat Südamerika heute sehr viel
mehr Möglichkeiten als früher.
Die Integration, die Schritte zur Überwindung der tiefen sozialen
Kluft in den Ländern und die Ausweitung der internationalen Beziehungen
sind allesamt sehr bedeutende Entwicklungen. Manche bezeichnen das als
Sozialismus, was immer das heißen soll. Wahr ist jedenfalls, dass
es Maßnahmen gibt, die der gesamten Bevölkerung zugute kommen.
In Venezuela beispielsweise ist entgegen anders lautender Behauptungen
hier [in den USA] die Armut deutlich zurückgegangen. Es werden viele
Anstrengungen unternommen manchmal erfolgreiche, manchmal vergebliche,
häufig auch korrupte, aber immerhin Versuche um eine verantwortliche
Herrschaft des Volkes heranzubilden und die traditionelle Herrschaft der
Elite zu schwächen. Gleichzeitig gibt es auch autokratische Tendenzen,
die auf lange Sicht vielleicht gefährlich sind, aber
ganz sicher auf komplexen Entscheidungen beruhen. Im Großen und
Ganzen aber werden Maßnahmen getroffen, die sehr positiv sind, was
sich auch an den feindseligen Reaktionen hier bei uns ablesen lässt
das ist ein guter Gradmesser.
In einigen Ländern hat man damit begonnen, Vermögen und Macht
dem in den USA so verhassten Staat zu übertragen. Früher hätte
das einen Militärputsch oder eine wirtschaftliche Strangulation zur
Folge gehabt, aber dazu sind die Vereinigten Staaten heute nicht mehr
in der Lage. Der letzte Versuch eines Militärputschs mit Unterstützung
der Vereinigten Staaten fand 2002 in Venezuela statt, wo für kurze
Zeit die Regierung gestürzt, der Präsident entführt und
das Parlament und der Oberste Gerichtshof aufgelöst wurden. Dieser
Sturz der Demokratie wurde von den USA unterstützt und von der Öffentlichkeit
sehr begrüßt. Man bezeichnete das tatsächlich als einen
Schritt in Richtung Demokratie. Ein Volksaufstand brachte diese Aktion
jedoch schnell wieder zu Fall, und die USA mussten nach anderen Mitteln
suchen, um die Regierung zu stürzen: Propaganda, Subversion und dergleichen.
Ein Militärputsch ist heute nicht mehr so leicht wie zu Zeiten von
Kennedy und Johnson.
SI: Was können wir hier in den USA tun, um die Entwicklung einer
echten Demokratie zu befördern?
NC: Wir sollten gleich morgen mit konkreten Demokratisierungsschritten
anfangen. Es ist einfach lächerlich, zu behaupten, dass wir in dem
reichsten, freiesten und mächtigsten Land der Welt unfähig sein
sollten, das zu erreichen, was arme bolivianische Bauern geschafft haben.
Natürlich schaffen wir das. Aber dazu gehört Engagement, Tatkraft,
Hingabe, der Abschied von Illusionen, der Verzicht auf Propaganda, die
Entwicklung echter Volksbewegungen und die Forderung nach Rechenschaftspflicht
der politischen Führung. Entwickeln Sie Ihre eigenen Programme und
setzen Sie sie politisch durch, damit sie realisiert werden. Wenn jemand
vom Mars aus beobachten würde, wie die Bolivianer das schaffen und
wir hier sagen, dass wir das nicht könnten, dann würde er sich
darüber kaputtlachen. Natürlich können wir das schaffen,
aber von nichts kommt eben nichts.
Informationen
unter: www.chomsky.info, www.hegemonyoursurvival.net, www.americanempireproject.com
Jason
Francis ist Share-International-Mitarbeiter in Oakland in Kalifornien.
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