Fakten und Prognosen


Die Finanzkrise zerstört Entwicklungsländer
"Wir nähern uns einer Zeit großer Veränderungen in der Welt: Schon bald wird eine Transformation aller Strukturen einsetzen, die mit der Auflösung der Börsen in ihrer jetzigen Form beginnt. Dadurch wird der Druck, den Währungsspekulationen gegenwärtig auf die Regierungen ausüben, nachlassen, sodass ein faires und gerechtes Handelssystem entwickelt werden kann. Kurzfristige Maßnahmen müssen der Erkenntnis Rechnung tragen, dass die ärmeren Länder speziell und dringend der Hilfe bedürfen. Insbesondere müssen die Probleme Hunger und Krankheit ohne Verzögerung in Angriff genommen werden." (Benjamin Cremes Meister, Share International, Juli/August 1995)

Im März haben 2009 Spitzenberater von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon darauf aufmerksam gemacht, dass die globale Finanzkrise für die Entwicklungsländer katastrophale Folgen habe und zu einer Auflösung der "gesellschaftlichen, humanitären, politischen und die innere Sicherheit betreffenden Strukturen führen könne, die in sehr gefährdeten Regionen außer Kontrolle geraten kann", berichtet die britische Zeitung Financial Times. Sie haben auch darauf hingewiesen, dass die Industriestaaten mit einer Erhöhung ihrer Entwicklungshilfe ihre stagnierenden Volkswirtschaften unterstützen würden
"Natürlich ist es tragisch, dass in den reichen Ländern Menschen ihre Arbeit und ihr Zuhause verlieren", meint Kevin Watkins, ein hoher UN-Entwicklungsberater. "In den armen Ländern jedoch kann die wachsende Armut dazu führen, dass schutzlose Kinder sterben."
Auf einer internationalen Entwicklungskonferenz in London erklärte der Minister für Internationale Entwicklung der britischen Regierung, Douglas Alexander: "Die Entwicklungsländer, die von den unmittelbaren Folgen der Kreditrestriktionen bislang weniger betroffen sind, sind einer zweiten Welle des sogenannten Jahrhundert-Kredit-Tsunamis umso stärker ausgeliefert." Laut der Prognose eines neuen Berichts, so Alexander, werden bis Ende 2010 weitere 90 Millionen Menschen in Armut geraten. Großbritannien werde die 20 größten Volkswirtschaften, die G-20, auffordern, einen Soforthilfefonds einzurichten zur Unterstützung der am meisten gefährdeten Menschen auf der Welt, vor allem Frauen, Kinder und alte und behinderte Menschen.
Bei der UN-Besprechung meinte der Sonderwirtschaftsberater des Generalsekretärs, Jeffrey Sachs: "Merkwürdig ist, dass wir Billionen Dollar für Banken und Bürgschaften haben, aber, wie man uns sagt, nichts für die Armen. Unterdessen geraten Teile der Welt, wo die Menschen an den Rand gedrängt werden, an den Rand des Untergangs und der Gewalt." Sachs äußerte die Hoffnung, dass auf dem G-20-Gipfel im April Vorschläge zur Erhöhung der Entwicklungshilfe vereinbart werden.
Aufgrund der sich verschlimmernden Finanzkrise wurde die Entwicklungshilfe drastisch reduziert. Auf dem G-8-Gipfel im Jahr 2005 hatte die Europäische Union versprochen, 0,56 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts dafür bereitzustellen. Aufgrund der schrumpfenden EU-Volkswirtschaften "ist das Volumen der zugesagten EU-Hilfsgelder nach unseren Schätzungen inzwischen um 4,6 Milliarden Dollar geringer als letztes Jahr", erklärte Watkins. Die Folgen seien furchtbar. "Angesichts des sinkenden Wirtschaftswachstums im Jahr 2009 rechnen wir damit, dass das Durchschnittseinkommen von 391 Millionen Afrikanern, die von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben müssen, um 20 Prozent zurückgehen wird. Rechnet man die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in ‚humanitäre Kosten' um, sieht es noch düsterer aus. Selbst nach den positivsten Schätzungen wird die Kindersterblichkeit um 200 000 bis 400 000 Todesfälle [pro Jahr] zunehmen."
Weltbankpräsident Robert Zoellick meinte: "Wir müssen auf die sich ausweitende Krise, die besonders die Menschen in den Entwicklungsländern hart trifft, unmittelbar reagieren. Diese globale Krise erfordert eine globale Lösung, und um sie bewältigen zu können, ist es wichtig, eine Wirtschaftskatastrophe in den Entwicklungsländern zu verhüten. Damit Arbeitsplätze geschaffen und soziale Unruhen verhindert werden können, müssen wir in Sicherheitsnetze, in die Infrastruktur und in kleine und mittlere Unternehmen investieren." (Quellen: The Financial Times, The Guardian, Großbritannien)

Immer mehr Zeltstädte in den USA
"Neue Methoden der Verteilung von Ressourcen, die auf Teilen beruhen und auf tatsächlichen Bedürfnissen, werden das gegenwärtig chaotische Verfahren, das die Welt spaltet, verdrängen. Anstatt blind den Marktkräften zu gehorchen, deren kurzsichtige Regie heute so viel Elend verursacht, wird man vorurteilsfrei und gerecht auf die Bedürfnisse aller Rücksicht nehmen." (Benjamin Cremes Meister, Share International, Juli/August 1995)

Durch die wachsende Arbeitslosigkeit und die zunehmende Zahl von Menschen, die ihr Haus durch Zwangsvollstreckung verlieren, erfahren die USA die größte Zunahme an Obdachlosencamps seit Jahrzehnten, melden Obdachlosenorganisationen und städtische Dienststellen im ganzen Land. Die größten Zeltstädte befinden sich unter anderem in Reno (Nevada), Seattle (Washington) und Nashville (Tennessee); in den kalifornischen Städten Sacramento, Fresno, Santa Barbara, San Diego und am Rand von Los Angeles sowie in Portland (Oregon) und Columbus (Ohio) dehnen sie sich aus oder sind neue entstanden. Viele dieser Camps beherbergen Hunderte von Menschen - und nahezu alle sind dieses Jahr gewachsen.
Die Leiterin der Obdachlosenorganisation "Loaves and Fishes" in Sacramento, Joan Burke, meint: "Die meisten, mit denen wir es zu tun haben, gehören zu den ‚arbeitenden Armen'. Das Wirtschaftschaos wirkt sich inzwischen auch auf die Mittelschicht aus, auf Bauarbeiter, Farmarbeiter, Einzelhandelsangestellte und Gaststättenpersonal. Leute, die zwar bisher ganz gut verdient, aber nichts gespart haben, stellen plötzlich fest, dass sie gerade noch ein oder zwei Gehaltschecks von der Obdachlosigkeit trennen."
"Gewiss, die Zeltstädte sind nichts Neues", stellt das Online-Netzwerk associatedcontent.com in einem Artikel fest, "diese zeitweiligen Wohnunterkünfte gibt es schon seit Jahrzehnten. Das Problem besteht jedoch darin, dass sie heute sehr viel stärker wachsen als in den vergangenen Jahren. Die wachsende Bewohnerzahl dieser Städte ist zweifellos alarmierend, und sie ist ein Zeichen dafür, wie massiv die gegenwärtige Rezession ist. Da die Zahl der Bewohner ständig zunimmt, ist, wie es scheint, für die Zeltstädte kein Ende in Sicht." (Quellen: The Times, Großbritannien; associatedcontent.com; Associated Press)



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