Die Stimme des Volkes



"Not und Leid" der Tibeter
Anlässlich des 50. Jahrestags des Aufstands der Tibeter gegen die chinesische Besatzung sagte der Dalai Lama in aller Deutlichkeit, dass aus Tibet die "Hölle auf Erden" geworden sei, seit er vor fünf Jahrzehnten aus seiner Heimat habe fliehen müssen.
In seiner Ansprache im buddhistischen Haupttempel der indischen Stadt Dharamsala erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter, dass die Chinesen seit 1959 mit Repressions- und Gewaltkampagnen "unsägliches Leid und unsägliche Zerstörung" über Tibet gebracht hätten. "Die unmittelbare Folge dieses Vorgehens war der Tod von Hunderttausenden Tibetern."
Rund 10 000 Tibeter aus aller Welt waren nach Dharamsala gekommen, um die Rede ihres geistigen Oberhaupts zu hören. Viele weinten, als der Dalai Lama sagte: "Noch immer führen die Tibeter in Tibet ein Leben in ständiger Angst. Inzwischen ist die [tibetische] Religion, Kultur, Sprache und Identität, die Generationen von Tibetern als wertvoller erachteten und erachten als ihr Leben, vom Aussterben bedroht. Kurz gesagt, die Tibeter werden als Kriminelle betrachtet, die den Tod verdienen."
Nach der Ansprache des Dalai Lama marschierten Tausende von Tibetern, darunter auch Kinder, mit "Free-Tibet"-Plakaten durch Dharamsala und protestierten gegen die brutalen Sicherheitsmaßnahmen, die China zu diesem Zeitpunkt in Tibet durchführte. (Quelle: Reuters)

Die Macht des Volkes und das Ende des liberianischen Bürgerkriegs
Bis zum Jahre 2006 wütete in Liberia ein 14-jähriger Bürgerkrieg zwischen dem tyrannischen Präsidenten Charles Taylor und einem Bündnis aus brutalen Warlords. Das Ausmaß an Gewalt war unsäglich: Massenmorde, Vergewaltigungen, Hungertod, zerstörte Dörfer und Städte. In dieser unvorstellbaren Schreckenszeit legten Menschen eine Entschlossenheit und einen Willen an den Tag, die ihresgleichen suchen, und darüber berichtet der Dokumentarfilm "Pray the Devil Back to Hell". Der Film zeige, schrieb Bob Herbert in seiner New-York-Times-Kolumne, über welche Macht ganz normale Bürger verfügen können, um aus einer anscheinend ausweglosen Situation herauszufinden und ein ganzes Land zu umzuwandeln.
Die Liberianerin Leymah Gbowee musste schmerzlich erleben, wie ihr Land verfiel. Im Jahre 2003 hörte sie in einem Traum die Aufforderung, "die Frauen ihrer Kirche zusammenzubringen, um für den Frieden zu beten". Aus den Friedensgebeten dieser Frauen, die der Lutherischen Kirche angehören, wurde schließlich eine Liberianische Friedensbewegung. Die Bewegung organisierte sich, andere christlichen Kirchen schlossen sich ihr an und bald auch muslimische Frauen.
Beseelt von dem Wunsch nach Frieden und von dem Willen, der Zerstörung ein Ende zu setzen, beteten diese Frauen nicht nur Tag für Tag, sie demonstrierten auch auf einem Marktplatz in der Hauptstadt Monrovia. Sie veranstalteten Sit-ins, tanzten, sangen und stimmten Sprechchöre an. Weder unerträgliche Hitze noch sintflutartige Regenfälle konnten sie von ihren Kundgebungen abhalten. Die Frauen gewannen so viel Unterstützung, dass sich Präsident Taylor mit ihnen traf. Ihr Einsatz trug wesentlich dazu bei, dass sich die verfeindeten Parteien schließlich in Ghana zu Friedensverhandlungen trafen. Ein vorläufiger Friede wurde vereinbart, Taylor wurde ins Exil geschickt. Die Frauen machten weiter, und im Jahr 2006 feierten sie die Wahl von Ellen Johnson-Sirleaf zur neuen Präsidentin von Liberia, der ersten Frau Afrikas in diesem Amt.
Der tragisch beginnende Film findet einen Ausklang, der Mut macht, und zeigt letzten Endes, dass jedermann gewaltige Veränderungen bewirken kann. (Quelle: New York Times, USA)




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