Weise Worte


Japan auf einem neuen Weg

"Wie können wir dem zügellosen Marktfundamentalismus und Finanzkapitalismus, die bar jeglicher Moral und Mäßigung sind, ein Ende machen, um die Finanzen und den Lebensunterhalt unserer Bürger zu schützen? Vor dieser Aufgabe stehen wir heute.
Seit dem Ende des Kalten Kriegs haben unter der Führung der USA die Stürme des Marktfundamentalismus, der gemeinhin als Globalisierung bezeichnet wird, Japan fortwährend hin- und hergeworfen", schreibt der neue japanische Ministerpräsident Yukio Hatoyama in einem Artikel in der New York Times: "Durch den fundamentalistisch praktizierten Kapitalismus ist der Mensch nicht mehr Sinn und Zweck, sondern das Mittel zum Zweck geworden. Die Folge ist, dass die Würde des Menschen verloren geht.
Wir müssen heute wieder zu der Idee der Brüderlichkeit zurückfinden - entsprechend dem französischen Wahlspruch ‚liberté, égalité, fraternité' - als einer Kraft, mit der wir die der Freiheit innewohnenden Gefahren bändigen können. Jedes Land hat über lange Jahre seine eigene Wirtschaftsordnung aufgebaut, die den Einfluss von Traditionen, Gewohnheiten und nationalem Lebensstil reflektiert. Die Globalisation jedoch hat sich ohne Rücksicht auf nichtökonomische Werte, auf Umweltfragen oder das Problem begrenzter Ressourcen ausgedehnt.
In der Begriffswelt der Markttheorie sind die Menschen nur Personalkosten. In der wirklichen Welt jedoch erhalten die Menschen das Gefüge der Kommunen aufrecht und verkörpern deren Lebensstil, Tradition und Kultur. Das Individuum erwirbt sich seine Achtung als Mensch dadurch, dass es einer beruflichen Tätigkeit nachgeht, eine Aufgabe in der Gemeinschaft übernimmt und für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen kann.
Wenn wir dem Prinzip der Brüderlichkeit folgen, würden wir keine Politik machen, die Bereiche, die das Leben und die Sicherheit der Menschen betreffen - wie Landwirtschaft, Umwelt und Medizin -, der Gnade und Ungnade der Globalisierung ausliefert.
Wir Politiker stehen in der Pflicht, unsere Aufmerksamkeit wieder auf jene nichtökonomischen Werte zu richten, die beim Durchmarsch der Globalisation über Bord geworfen wurden. Wir müssen eine Politik entwickeln, die die Bande zwischen den Menschen wiederherstellt, die mehr Rücksicht auf Natur und Umwelt nimmt, das Sozial- und Gesundheitswesen wieder aufbaut, die Bildung und die Unterstützung beim Aufziehen der Kinder verbessert und das Wohlstandsgefälle bekämpft."
Im Hinblick auf internationale Beziehungen sagte Hatoyama: "Wenn wir uns jetzt darum bemühen, neue Strukturen für eine internationale Kooperation aufzubauen, müssen wir einen exzessiven Nationalismus überwinden und einen Weg einschlagen, der zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Sicherheit auf der Grundlage von Regeln führt."
Hatoyama schloss seinen Artikel mit einem Zitat von Graf Coudenhove-Kalergi, dem Begründer der ersten Volksbewegung für ein vereintes Europa: "Alle großen historischen Ideen waren ursprünglich utopische Träume, die schließlich Wirklichkeit wurden. Ob eine Idee ein utopischer Traum bleibt oder Wirklichkeit wird, hängt davon ab, wie viele Menschen an diese Idee und an ihre eigene Fähigkeit glauben, diese tatsächlich umsetzen zu können." (Quelle: The New York Times, USA)


Aufruf an Israel: Stoppt die Belagerung von Gaza

60 Nobelpreisträger, 202 Mitglieder des Europäischen Parlaments und international bekannte Persönlichkeiten wie Martin Gray, Noam Chomsky und der ehemalige französische Premierminister Michel Rocard haben bisher den Aufruf "Open the doors" [Öffnet die Tore] unterzeichnet, den die Nichtregierungsorganisation "Peace Lines" [Friedenslinien] im Frühjahr 2003 gestartet hatte. Darin wird Israel aufgefordert, die Belagerung des Gazastreifens ein für alle Mal zu beenden. "Mehr als 1,5 Millionen Menschen sitzen innerhalb der Grenzen von Gaza gefangen und sind schrankenloser Willkür ausgesetzt", so der Aufruf.
Vor Beginn der Belagerung im Jahr 2007 hatte Israel eine Liste mit 4000 für die Einfuhr in den Gazastreifen "genehmigten" Produkten aufgestellt. Konkret werden heute nur noch 30 bis 40 Produkte zu den Bürgern Gazas durchgelassen. Die Einfuhr von Matratzen, Bettlaken, Schuhen, Kleidung, Büchern, Tee oder Kaffee ist ebenso verboten wie die von Beton, Türen und Fensterglas - trotz der dringend erforderlichen Wiederaufbauarbeiten aufgrund der Zerstörung durch die israelischen Bomben beim letzten Angriff.
In dem Appell werden die Hamas aufgefordert, den inhaftierten israelischen Soldaten Gilat Schalit freizulassen, und Israel, mehr als 10 000 palästinensische Gefangene auf freien Fuß zu setzen, darunter auch gewählte palästinensische Parlamentsmitglieder.
Zu den Unterzeichnern gehören auch die Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu, Dalai Lama, Shirin Ebadi und Mairead Maguire aus Nordirland.
Maguire hatte sich schon dadurch hervorgetan, dass sie die Stadtverwaltung von Ostjerusalem der gegen die arabische Gemeinde gerichteten Politik der "ethnischen Säuberung" beschuldigte. Dutzende Häuser von Arabern sind geplantermaßen vom Abriss bedroht. "Meiner Ansicht nach betreibt die israelische Regierung hier in Ostjerusalem eine gegen Palästinenser gerichtete Politik der ethnischen Säuberung - das widerspricht den Menschenrechten und verletzt die Würde des palästinensischen Volkes", sagte die Friedensaktivistin. Mehr als 1500 Araber sind in Gefahr, bei dieser größten Vertreibungsaktion seit 1967 ihre Wohnung zu verlieren. Israel gibt als Begründung an, dass diese Häuser ohne amtliche Genehmigung gebaut oder ausgebaut worden seien, doch die Araber behaupten, dass es für sie praktisch unmöglich sei, diese Genehmigungen zu erhalten. In diesem Bezirk leben mehr als 10 000 Palästinenser, aber nur 60 jüdische Familien. Laut der israelischen Friedensbewegung B'Tselem hat die israelische Regierung bereits über 400 Häuser in Ostjerusalem zerstören lassen.
Im März 2009 hatte der UN-Sicherheitsrat einstimmig für die Schaffung zweier Staaten gestimmt, da das die einzige Lösung für einen Frieden sei. Vor den Vereinten Nationen sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon: "Die Palästinenser müssen weiterhin inakzeptable und unilaterale Aktionen in Ostjerusalem und dem verbliebenen Rest des Westjordanlandes hinnehmen: Den Abriss von Häusern, gesteigerte Siedlungsaktivität, Gewalt durch Siedler sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch Passierscheine, Checkpoints und Absperrungen, die mit den Siedlungen in direktem Zusammenhang stehen. Es ist an der Zeit, dass Israel seine Politik komplett ändert, wie es dies schon wiederholt versprochen, aber bis jetzt noch nicht getan hat." (Quellen: Le Nouvel Observateur, Le Monde, Frankreich; peacelines.org)



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