Kinderarbeit und Ausbeutung - von Shamlal Puri und Kimi Mamtora

Die Gesellschaft beutet Kinder aus und betrügt sie um deren besten Jahre. Das belegen Statistiken über den weltweit hohen Anteil von Kindern in der Arbeitswelt. Eine internationale Bewegung versucht, die gefährlichen Bedingungen abzuschaffen, unter denen Kinder arbeiten müssen. Shamlal Puri und Kimi Mamtora von Newslink Africa meinen, daß Kinderarbeit gänzlich abgeschafft werden sollte

Auf der ganzen Welt werden Kinder schamlos ausgebeutet. Der globale Gesamtanteil der Kinderarbeit ist unglaublich hoch. In Afrika werden ungeheuer viele Kinder von der Gesellschaft gnadenlos ausgenutzt. Um Sechs- bis Vierzehnjährige findet ein Tauziehen statt zwischen armen Großfamilien, die von deren Einkommen abhängig sind, und einer Gesellschaft, die versessen darauf ist, sie auszubeuten. Trotz einer weltweiten großen Kampagne verbündeter Gewerkschaften ist Kinderarbeit noch immer stark verbreitet. Neueste Zahlen belegen sogar, daß sie immer neue Opfer fordert.

In Afrika nimmt der Kinderhandel zu, und die Kinderarbeitsquote ist dort höher als auf jedem anderen Kontinent. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO werden von den 132 Millionen Kindern in West- und Zentralafrika 53 Millionen Kinderarbeiter ausgebeutet; laut UNICEF ist der Kinderhandel ein geographischer Spiegel der Entwicklung Afrikas. Die "Hauptlieferanten" sind Togo, Benin, Burkina Faso und Mali. Sie schicken die Kinder durch Länder wie Kamerun oder Äquatorial-Guinea in die Elfenbeinküste, nach Gabun und Nigeria.

Kinderhandel gibt es auch in den industrialisierten Ländern, wo die Zahl geheimer Arbeitsverhältnisse zunimmt. Mädchen ab vierzehn werden zur Prostitution gezwungen oder schon von klein auf als Haushaltshilfen gehalten und kleine Jungen zum Viehhüten vermietet. Amtlichen Angaben und Forschungsergebnissen zufolge sind die Kinder in West- und Zentralafrika zu Entbehrungen und Knechtschaft verdammt. Zu Beginn des Jahres einigte man sich auf einer regionalen Tagung in Libreville, der Hauptstadt von Gabun auf eine gemeinsame Aktionsgrundlage, zu der auch die Erforschung sowie eine Datenbank der beiden Grundübel Kinderhandel und -ausbeutung gehören.

Kinderarbeit im Haushalt

In vielen Regionen werden achtjährige Mädchen vom Land zur Hausarbeit in die Stadt gebracht. Viele müssen mehr als zwölf Stunden am Tag arbeiten und werden körperlich, psychisch und sexuell mißhandelt. Diejenigen, die außer Landes gebracht werden, landen auch in der Isolation: Viele Kinder werden zum Beispiel nach Äquatorial-Guinea, nach und aus Kamerun geholt, und Nachforschungen in Gambia ergaben, daß in Banjul vermutlich Kinder aus der südsenegalesischen Region Casamance als Haushaltshilfen arbeiten.

Kenia

Viele Kinder werden als Sklaven ins Ausland geschmuggelt. In Kenia arbeiten rund drei Millionen Sechs- bis Vierzehnjährige. Eine Million von ihnen sind schweren Risiken bei der Arbeit ausgesetzt - sexueller Ausbeutung im Tourismussektor, gefährlichen Chemikalien in Plantagen und Minen, körperlicher, psychischer und sexueller Mißhandlung in Haushalten, menschenunwürdigen Bedingungen als Müllsammler.

Die Ursachen für Kinderarbeit sind in Kenia wie überall auf der Welt gleich: wachsende Armut, starkes Bevölkerungswachstum und Landflucht. Kenia ist dem "Internationalen Programm zur Bekämpfung von Kinderarbeit" IPEC der ILO beigetreten, das über achtzehn Aktionsprogramme betreut. Dazu gehören Arbeiterorganisationen, NGOs, andere Institutionen und Sozialverbände, die in einer Allianz gegen die Kinderarbeit das öffentliche Bewußtsein dafür wecken und die Verantwortlichen beraten wollen, wie Maßnahmen gegen die Kinderarbeit in die staatliche Sozial- und Wirtschaftsentwicklungspolitik integriert werden können.

Landwirtschaft

Die kommerzielle Landwirtschaft in Afrika ist bekannt dafür, daß sie Kinder vor allem auf Plantagen, Farmen und in der weiterverarbeitenden Industrie ausbeutet. Die ILO führt ein Sonderprogramm durch, das in der Region südlich der Sahara zunächst einmal die Arbeitsbedingungen verbessern und schließlich die Kinderarbeit in der Landwirtschaft ganz abschaffen soll. Das Projekt wurde im August 1996 in Dar es Salaam in Tansania verabschiedet, an dem Regierungsvertreter sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen aus Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Südafrika, Uganda und Simbabwe teilnahmen. Angestrebtes politisches Ziel ist es, das Arbeitsmindestalter auf fünfzehn Jahre anzuheben, gefährliche Arbeiten und Schuldknechtschaft abzuschaffen, Kinderarbeiter zu schützen und die eigentlichen Ursachen der Kinderarbeit anzugehen.

Tansania intensivierte im Zeitraum von 1995 bis 97 seine Kampagne gegen die Kinderarbeit. Die Ministerien für Erziehung und Kultur sowie für kommunale Entwicklung, Frauenangelegenheiten und Kinder forderten die Bevölkerung auf, in ihren Gemeinden dafür zu sorgen, daß ihre Kinder durchgehend die Grundschule besuchen. Den Schulen wurde gesetzlich verboten, Kinder zu Arbeiten abzustellen, damit Grundschulbehörden nicht weiterhin Schüler unter dem Vorwand der Schulfinanzierung zur Arbeit auf Plantagen und Baustellen in der Nähe schicken können. Ein Runderlaß erging an alle Grundschulbehörden, Schulbezirksbeamte, Grundschulinspektoren, Lehrer und Schulausschüsse. Die Schulinspektoren wurden mit der Überwachung und Durchführung des Verbots beauftragt.

Desweiteren erhöhte die tansanische Regierung das Budget für die ständigen Ausgaben und die Entwicklung der sozialen Dienste von dreißig Prozent im Fiskaljahr 1996/97 auf 48,1 Prozent im Jahr 1997/98. Mit der Budgeterhöhung sollte die Infrastruktur der Grundschulerziehung verbessert werden, damit mehr Kinder in die Schule gehen können und diese auch nicht abbrechen.

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1997/98 strich die tansanische Regierung die Einfuhrzölle auf agrarwirtschaftliche Hilfsgüter in der Erwartung, daß dadurch Arbeitsplätze und Produktivität in der Landwirtschaft zunehmen und die Einkommen der landwirtschaftlichen Haushalte steigen, so daß die Menschen allmählich nicht mehr auf Kinderarbeit zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse angewiesen sind.

Kinderarbeit ist auch in der Diamanten- und Edelsteinindustrie üblich, wo achtjährige Kinder mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Die meisten müssen zwei, manchmal sogar bis zu fünf Lehrjahre ohne Bezahlung aushalten. Das Leben dieser, um eine normale Kindheit gebrachten Kinder ist eine der versteckten Facetten der boomenden Diamantenindustrie. Nach einem Gewerkschaftsbericht sind in Indien zehn Prozent der 800 000 Arbeiter in der Diamanten- und Edelsteinindustrie Kinder. Ohne Arbeitsvertrag oder Lohnzettel schuften sie zwölf Stunden am Tag und bekommen einen Stücklohn, der sich auf maximal sechzig Prozent eines Erwachsenenlohns beläuft.

Kinderarbeit ist auch in der Diamanten- und Edelsteinindustrie üblich, wo achtjährige Kinder mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Die meisten müssen zwei, manchmal sogar bis zu fünf Lehrjahre ohne Bezahlung aushalten. Das Leben dieser, um eine normale Kindheit gebrachten Kinder ist eine der versteckten Facetten der boomenden Diamantenindustrie

Indien

Die Dimensionen der Kinderarbeit in Indien sind weitreichend und komplex. Überall im Land arbeiten Millionen Kinder in den verschiedensten Gewerben und Berufen. Während es nach offizieller Schätzung 11,28 Millionen Kinderarbeiter gibt, sprechen NGOs und Forscher von 44 bis 110 Millionen. Rund neunzig Prozent der Kinder arbeiten auf dem Land und schätzungsweise zwei Millionen in gefährlichen Gewerben. Ein Großteil dieser Arbeit etwa im Haushalt und in der Landwirtschaft der Familie wird überhaupt nicht berücksichtigt und verstößt häufig gegen die Rechte der Kinder. Andere Arbeitsverhältnisse wie im Bereich des Kinderhandels und der Prostitution bleiben im verborgenen.

In anderen Entwicklungsländern sieht es ähnlich aus. Nach Berichten der pakistanischen Menschenrechtskommission arbeiten in ihrem Land rund fünfzehn Millionen Kinder - das sei ein "hartnäckiges" Problem. Einem kürzlich erschienenen ILO-Bericht zufolge verschlimmert sich die Situation in Asien, vor allem im Kinderhandel. "Die wachsende Zahl von Projekten und staatlichen Initiativen, die sich gegen den Handel mit Kinderarbeitern engagieren, konnte nicht bewirken, daß den Händlern weniger Kinder ins Netz gehen", sagt ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Ein Großteil der Arbeit etwa im Haushalt und in der Landwirtschaft der Familie wird überhaupt nicht berücksichtigt und verstößt häufig gegen die Rechte der Kinder. Andere Arbeitsverhältnisse wie im Bereich des Kinderhandels und der Prostitution bleiben im verborgenen.

In den Bordellen Pakistans und Indiens arbeiten rund 500.000 Kinder aus Bangladesch, und Dutzende von nepalesischen Kindern werden in der Sexindustrie ausgebeutet, berichtet die ILO. Kinder arbeiten auch in Bettlerringen - vor allem in Thailand und Vietnam - und viele Kinder werden trotz der allgemeinen Entrüstung nach den Enthüllungen über den Handel mit asiatischen Kindern auch weiterhin in die Golfstaaten entführt, wo sie bei Kamelrennen als Jockeys benutzt werden - das sind etwa 20.000 im Alter von zwei bis elf Jahren.

Der Stadtteil Seemapuri in Delhi heißt auch "Lumpensammlerkolonie". Seit 1996 gibt es ein von der IPEC gefördertes Projekt, das die Kinder vom Lumpensammeln abzuhalten und in die Grundschule zu bringen versucht. Viele dieser Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren haben die Schule abgebrochen, und viele sind sogar noch nie zur Schule gegangen. Die meisten sind krank und haben vor allem Hautkrankheiten und Schwellungen an den Knöcheln und Füßen, weil sie den ganzen Tag über nur Abfällen und Schmutz ausgesetzt sind. Die extreme Armut treibt auch einige in die Kriminalität - zu Drogenhandel, Glücksspiel und Alkoholkonsum.

Die Kinder von heute sind die Bürger von morgen, die die Welt lebenswerter machen können, sofern man ihnen die Chance einer normalen Kindheit, einer Erziehung und Ausbildung gibt.

Indien war das erste Land, das der IPEC bereits 1992 beitrat, und ist Vorreiter im Kampf gegen die Kinderarbeit. Seit Einführung der Nationalen Kinderarbeitsprojekte NCLP 1988 haben 91 Projekte bislang 890 000 Kinder aus ihren Arbeitsverhältnissen befreien und durch Erziehung, gesunde Ernährung und fachliche Ausbildung ins Leben zurückbringen können. Etwa 100 000 Kinder haben von 160 IPEC-Projekten profitiert.

Um diesem brutalen Katalog der Verkommenheit ein Ende zu setzen, bedarf es strenger Gesetze gegen Kinderarbeit und des politischen Willens, diese auch durchzusetzen. Die Kinder von heute sind die Bürger von morgen, die die Welt lebenswerter machen können, sofern man ihnen die Chance einer normalen Kindheit, Erziehung und Ausbildung gibt.

Shamlal Puri und Kimi Mamtora arbeiten als Korrespondenten für Newslink Afrika.

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